Wo kommen die Engel her, und wer sind sie?

Die Medien in Form von Zeitungen, Radio und Fernsehen sprechen recht ungezwungen von einem Schutzengel bei Ereignissen, in denen der Mensch wider Erwarten und gegen jegliche Erfahrung heil und unversehrt eine kritische Situation übersteht. So hatte beispielsweise ein Dachdecker, der vier Meter tief zu Boden fiel und mit unkomplizierten Knochenbrüchen davonkam, genauso einen Schutzengel wie eine Schülerin, die nur leichte Verletzungen davontrug, als sie aus einem fahrenden Zug fiel.

Umgang mit dem Unbegreiflichem

In solchen Momenten versuchen wir Menschen dem Unfassbaren, Unbegreiflichen einen Namen zu geben. Wir identifizieren uns mit denjenigen, die scheinbar besonderen Schutz genießen. Tief in unserem Inneren wünschen wir uns, in eine ähnliche prekäre Situation zu geraten und genauso gute Erfahrungen zu machen.

So steht der Schutzengel einerseits für etwas, was der einzelne Mensch nicht selbst beeinflussen kann. Andererseits hat er aber die große Hoffnung, dass auch er beschützt sein möge.

Ein christlicher Mensch wird, gerät er in eine ähnliche Situation, davon sprechen, dass ihm Jesus oder Gott geholfen habe. Für viele Menschen aber ist der Schutzengel neutraler und gesellschaftsfähiger als Gott oder Jesus. Damit ist aber längst nicht sicher, dass der Mensch, der von einem Schutzengel spricht, auch an dessen Existenz glaubt.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem Jahr 2005 ergab, dass ca. zwei Drittel aller Deutschen auf die Hilfe der Schutzengel zurückgreifen, reichlich Kontakt zu ihrem Schutzengel pflegen und manche sogar meinen, ihn gespürt oder gesehen zu haben.

Wie kann nun der Einzelne zu seinem Schutzengel finden? Woher kommen die Schutzengel, und wer sind sie? Und gibt es überhaupt Schutzengel? Die Auseinandersetzung mit diesen wichtigen Fragen bedarf eines Exkurses in die Bibel.

Bibelexkurs

In der gesamten Heiligen Schrift kommt der Begriff „Schutzengel“ nicht vor, aber es gibt Stellen, an denen Engeln verschiedene Funktionen zugeordnet sind. So erscheint der Engel als Vermittler zwischen Gott und Mensch (Hiob 33, 23), als Heiler von Kranken (Joh. 5, 4), als Befreier aus dem Gefängnis (Apg. 5, 19 und 12, 7), als Vermittler von Gottes Auftrag (Apg. 8, 26 ff.), als Mutmacher (Apg. 27, 23 ff.) und als Warner (Math. 2, 12).

Im Hebräerbrief 13, 2 ist zu lesen, dass manche Menschen in ihrer Gastfreundschaft Engel aufnehmen oder beherbergen, ohne dies zu wissen.

Die Engel erscheinen dem Menschen am häufigsten im Traum (Math. 2, 12), aber auch als sichtbare Erscheinung (Apg. 5, 19).

Martin Luther und seine Beschreibung der Engel

Auch der Reformator Martin Luther hat sich mit dem Thema Engel beschäftigt und gelangt, bezugnehmend auf Psalm 34, zu der Ansicht, „... dass durch ihren Schutz und Dienst (Engel) alles, was wir haben, erhalten und beschützt wird, und die Menschen oft gräulich umkommen, wo sie vom Dienst der Engel entlassen werden“.

Damit folgt Luther linientreu der Bibel, hat doch Jesus Christus mit dem Dasein und Nahesein der Engel des Himmels immer gerechnet. Ja, Christus deutet sogar ein einziges Mal die ungeheuerliche satanische Gegenwirklichkeit an, wenn er auch dem Teufel im ewigen Feuer „seine Engel“ zuspricht (Math. 25, 41). Die Engel des Satans sind die Störer des Weltgefüges, die in dessen Dienst den Ablauf der ganzen Weltgeschichte durcheinanderwerfen, weil ihr Gebieter der Diabolos ist. Ihnen stehen die oberen Scharen der lichten Himmelswelt gegenüber, sie die „allzumal dienstbare Geister sind“, ausgesandt zum Dienst, um die himmlische Seligkeit zu erhalten (Heb. 1, 14).

Luther formuliert sehr präzise, was wir uns unter den Engeln Gottes vorzustellen haben und welche Aufgaben ihnen zugewiesen sind: „Darum haben sie auch einen feinen Namen, dass sie heißen Angeli, Boten oder Botschafter, das sie von Gott gesandt sind. Die Schrift (Bibel, Anm. d. Verf.) nennt sie nicht nach ihren natürlichen Wesen, sondern nach ihren Aufgaben. Darum bin ich den Namen Engel sehr hold: denn sie sind unseres Herrn Gottes Botschafter. Sie regieren, schützen und behüten uns vor allem Übel; das tun sie fleisig und mit Freuden. Die guten Engel sind stets um uns und bei uns, das sie uns helfen bei der Wahrheit zu bleiben, unser Leib und Leben, Familie und was wir haben, vor dem Teufel beschützen mögen.“ Von Luther stammt denn auch das geflügelte Wort, „du hast heute einen guten Engel gehabt“.

Glaube an den Schutzengel in den Religionen

Der Glaube an einen Schutzengel ist vor allem in der katholischen Kirche vorhanden, doch gibt es dazu auch Nachweise in anderen (Glaubens-)Regionen der Erde. Stellvertretend sei hier Sadhu Sundar Singh, der große indische Missionar Jesu Christi, genannt, der mehrmals einer Engelserfahrung gewürdigt worden ist, ehe er als treuer, mutiger Zeuge seines Herrn auf einer seiner Missionspilgerfahrten 1929 in Tibet verschollen ist.

Die liturgische Verehrung der Schutzengel verbreitete sich im 15. und 16. Jahrhundert mit der des Erzengels Michaels. Der Erzengel gilt als Schutzengel Israels, der Kranken, der Händler, der Seeleute und Soldaten.

Im jüdischen Glauben haben die Engel ebenfalls einen hohen Stellenwert. An höchster Stelle stehen die Erzengel: Gabriel, der Engel des Feuers und des Krieges, Uriel, der Engel des göttlichen Lichts, Raphael, der Engel der Heilung, und Michael, der Engel der Barmherzigkeit.

Hierarchie der Engel

Unterhalb der Erzengel gibt es eine Vielzahl niederer Engel, die sich um spezielle Dinge kümmern wie Tiere und Pflanzen oder um Vorgänge wie Minuten, Sekunden und Stunden.

Der Schutzengel stellt in dieser Hierarchie die letzte, unterste Stufe dar. Er ist der unmittelbare Kontakt zwischen den Menschen und den himmlischen Kräften oder Gott. Da alle Engel aus Gott entstanden sind, haben sie alle guten Eigenschaften des Höchsten in sich und verkörpern seine Macht. Engel sind also nicht mit Gott gleichzusetzen, doch sie repräsentieren ihn in ihrem jeweiligen Teilaspekt. Seinem eigenen Schutzengel nahe zu sein bedeutet demnach Gottes Kraft und Licht nahe zu sein.

Kontakt zu meinem Schutzengel

Wie kann ich nun zu meinem Schutzengel Kontakt aufnehmen?

Der Schutzengel steht mit uns in ständigem Kontakt. Er hilft uns ständig in vielfacher Weise, auch wenn wir es manchmal nicht bemerken oder diese Hilfe anders benennen. Natürlich will der Schutzengel von uns wahrgenommen werden. Nur so kann er wirklich unsere Seele berühren, ein Stück von Gottes Licht in unser Leben bringen und uns in allen Bereichen unseres Daseins Hilfe zuteilwerden lassen. Erzwingen können wir den Kontakt zu unserem Schutzengel allerdings nicht. Da unser Schutzengel stets auf uns zugeht, brauchen wir nur die innere Bereitschaft, ihn auch wahrnehmen zu wollen. Das bedeutet, dass ich an meinem Schutzengel glauben muss. Der noch unerfahrene Mensch kann sich Hilfsmittel wie Bildern, Musik, Literatur, Meditation oder Energiefarben (siehe dazu auch Beitrag unter „Ihr Engel“ im Hauptmenü) bedienen, um sich seinem Schutzengel zu nähern.

Häufig gestellte Fragen zu Schutzengeln

1. Ist der Schutzengel wirklich nur mein Schutzengel?

Da der Schutzengel ein ewig Lebender ist, wird er vor mir Menschen begleitet haben und nach mir Menschen begleiten. Solange ich auf dieser Welt lebe, wird er allerdings mein persönlicher Schutzengel bleiben.

2. Kann ich meinen Schutzengel bitten, auf den Schutzengel eines mir nahestehenden Menschen Einfluss zu nehmen?

Jeder Schutzengel hat eine bestimmte, begrenzte Macht, die er zum Wohle des ihm anvertrauten Menschen einsetzen kann. Deshalb kann er auf den Schutzengel eines mir wichtigen Menschen Einfluss nehmen.

3. Welchen Einfluss hat mein Schutzengel auf mich?

Wahrnehmen kann ich den Schutzengel in der Regel als eine innere Stimme in mir. Bin ich auf meinen Engel ausgerichtet, werde ich auf meine innere Stimme hören und somit wissen, was ich tun und lassen soll. Er kann mir in allen Bereichen des Lebens helfen und mich vor großen und kleinen Fehlern bewahren. Er kann mich vor allem Unheil warnen und beschützen, bis meine Zeit der Abberufung gekommen ist.

4. Kann ein Schutzengel auch Fehler machen, versagen?

Ich habe manchmal das Gefühl, dass ein Schutzengel auch ein neckisches Wesen und zu mancherlei Streichen aufgelegt sein kann. Ich glaube nicht, dass ihm deswegen Fehler unterlaufen. Wenn uns etwas Negatives widerfährt, dann waren wir zu sehr mit uns beschäftigt und haben seine Stimme nicht wahrgenommen.

5. Hilft er mir auch, wenn ich ihn ablehne, an seine Existenz nicht glaube?

Der Schutzengel ist immer in unserer Nähe und versucht, uns die bestmöglichste Hilfe zu geben. Der abgelenkte hektische Mensch unserer Zeit findet leider nicht mehr die Ruhe, um sich auf seinen Engel zu besinnen. Die optimale Hilfe seines Schutzengels kann nur der bekommen, der sich ganz auf ihn einstellt und ihn in sein Leben einbindet.

6. Ist der Schutzengel ein früherer Mensch, der besonders gut war auf Erden oder der noch etwas gutzumachen hat (Bewährung)?

Manche Menschen glauben, dass ihr Schutzengel ein nahestehender verstorbener Verwandter ist. Ich selbst glaube daran, dass der Schutzengel die unterste Stufe der Engelhierarchie ist und somit den Menschen auf der Erde am nächsten steht.

Wer an seinen Schutzengel glaubt, kann ein reichhaltiges, erfülltes und zufriedenes Leben führen. Er wird nicht von allem Übel verschont sein, aber die Nähe seines Engels wird ihm immer wieder den göttlichen Segen und Gottes Güte und Barmherzigkeit nahebringen.

 

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