Engelportal von Rosemarie Nikolai-Trischka

Wo kommen die Engel her, und wer sind sie?

Wo kommen die Engel her, und wer sind sie?

Die Medien in Form von Zeitungen, Radio und Fernsehen sprechen recht ungezwungen von einem Schutzengel bei Ereignissen, in denen der Mensch wider Erwarten und gegen jegliche Erfahrung heil und unversehrt eine kritische Situation übersteht. So hatte beispielsweise ein Dachdecker, der vier Meter tief zu Boden fiel und mit unkomplizierten Knochenbrüchen davonkam, genauso einen Schutzengel wie eine Schülerin, die nur leichte Verletzungen davontrug, als sie aus einem fahrenden Zug fiel.

Umgang mit dem Unbegreiflichem

In solchen Momenten versuchen wir Menschen dem Unfassbaren, Unbegreiflichen einen Namen zu geben. Wir identifizieren uns mit denjenigen, die scheinbar besonderen Schutz genießen. Tief in unserem Inneren wünschen wir uns, in eine ähnliche prekäre Situation zu geraten und genauso gute Erfahrungen zu machen.

So steht der Schutzengel einerseits für etwas, was der einzelne Mensch nicht selbst beeinflussen kann. Andererseits hat er aber die große Hoffnung, dass auch er beschützt sein möge.

Ein christlicher Mensch wird, gerät er in eine ähnliche Situation, davon sprechen, dass ihm Jesus oder Gott geholfen habe. Für viele Menschen aber ist der Schutzengel neutraler und gesellschaftsfähiger als Gott oder Jesus. Damit ist aber längst nicht sicher, dass der Mensch, der von einem Schutzengel spricht, auch an dessen Existenz glaubt.

Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa aus dem Jahr 2005 ergab, dass ca. zwei Drittel aller Deutschen auf die Hilfe der Schutzengel zurückgreifen, reichlich Kontakt zu ihrem Schutzengel pflegen und manche sogar meinen, ihn gespürt oder gesehen zu haben.

Wie kann nun der Einzelne zu seinem Schutzengel finden? Woher kommen die Schutzengel, und wer sind sie? Und gibt es überhaupt Schutzengel? Die Auseinandersetzung mit diesen wichtigen Fragen bedarf eines Exkurses in die Bibel.

Bibelexkurs

In der gesamten Heiligen Schrift kommt der Begriff „Schutzengel“ nicht vor, aber es gibt Stellen, an denen Engeln verschiedene Funktionen zugeordnet sind. So erscheint der Engel als Vermittler zwischen Gott und Mensch (Hiob 33, 23), als Heiler von Kranken (Joh. 5, 4), als Befreier aus dem Gefängnis (Apg. 5, 19 und 12, 7), als Vermittler von Gottes Auftrag (Apg. 8, 26 ff.), als Mutmacher (Apg. 27, 23 ff.) und als Warner (Math. 2, 12).

Im Hebräerbrief 13, 2 ist zu lesen, dass manche Menschen in ihrer Gastfreundschaft Engel aufnehmen oder beherbergen, ohne dies zu wissen.

Die Engel erscheinen dem Menschen am häufigsten im Traum (Math. 2, 12), aber auch als sichtbare Erscheinung (Apg. 5, 19).

Martin Luther und seine Beschreibung der Engel

Auch der Reformator Martin Luther hat sich mit dem Thema Engel beschäftigt und gelangt, bezugnehmend auf Psalm 34, zu der Ansicht, „... dass durch ihren Schutz und Dienst (Engel) alles, was wir haben, erhalten und beschützt wird, und die Menschen oft gräulich umkommen, wo sie vom Dienst der Engel entlassen werden“.

Damit folgt Luther linientreu der Bibel, hat doch Jesus Christus mit dem Dasein und Nahesein der Engel des Himmels immer gerechnet. Ja, Christus deutet sogar ein einziges Mal die ungeheuerliche satanische Gegenwirklichkeit an, wenn er auch dem Teufel im ewigen Feuer „seine Engel“ zuspricht (Math. 25, 41). Die Engel des Satans sind die Störer

des Weltgefüges, die in dessen Dienst den Ablauf der ganzen Weltgeschichte durcheinanderwerfen, weil ihr Gebieter der Diabolos ist. Ihnen stehen die oberen Scharen der lichten Himmelswelt gegenüber, sie die „allzumal dienstbare Geister sind“, ausgesandt zum Dienst, um die himmlische Seligkeit zu erhalten (Heb. 1, 14).

Luther formuliert sehr präzise, was wir uns unter den Engeln Gottes vorzustellen haben und welche Aufgaben ihnen zugewiesen sind: „Darum haben sie auch einen feinen Namen, dass sie heißen Angeli, Boten oder Botschafter, das sie von Gott gesandt sind. Die Schrift (Bibel, Anm. d. Verf.) nennt sie nicht nach ihren natürlichen Wesen, sondern nach ihren Aufgaben. Darum bin ich den Namen Engel sehr hold: denn sie sind unseres Herrn Gottes Botschafter. Sie regieren, schützen und behüten uns vor allem Übel; das tun sie fleisig und mit Freuden. Die guten Engel sind stets um uns und bei uns, das sie uns helfen bei der Wahrheit zu bleiben, unser Leib und Leben, Familie und was wir haben, vor dem Teufel beschützen mögen.“ Von Luther stammt denn auch das geflügelte Wort, „du hast heute einen guten Engel gehabt“.

Glaube an den Schutzengel in den Religionen

Der Glaube an einen Schutzengel ist vor allem in der katholischen Kirche vorhanden, doch gibt es dazu auch Nachweise in anderen (Glaubens-)Regionen der Erde. Stellvertretend sei hier Sadhu Sundar Singh, der große indische Missionar Jesu Christi, genannt, der mehrmals einer Engelserfahrung gewürdigt worden ist, ehe er als treuer, mutiger Zeuge seines Herrn auf einer seiner Missionspilgerfahrten 1929 in Tibet verschollen ist.

Die liturgische Verehrung der Schutzengel verbreitete sich im 15. und 16. Jahrhundert mit der des Erzengels Michaels. Der Erzengel gilt als Schutzengel Israels, der Kranken, der Händler, der Seeleute und Soldaten.

Im jüdischen Glauben haben die Engel ebenfalls einen hohen Stellenwert. An höchster Stelle stehen die Erzengel: Gabriel, der Engel des Feuers und des Krieges, Uriel, der Engel des göttlichen Lichts, Raphael, der Engel der Heilung, und Michael, der Engel der Barmherzigkeit.

Hierarchie der Engel

Unterhalb der Erzengel gibt es eine Vielzahl niederer Engel, die sich um spezielle Dinge kümmern wie Tiere und Pflanzen oder um Vorgänge wie Minuten, Sekunden und Stunden.

Der Schutzengel stellt in dieser Hierarchie die letzte, unterste Stufe dar. Er ist der unmittelbare Kontakt zwischen den Menschen und den himmlischen Kräften oder Gott. Da alle Engel aus Gott entstanden sind, haben sie alle guten Eigenschaften des Höchsten in sich und verkörpern seine Macht. Engel sind also nicht mit Gott gleichzusetzen, doch sie repräsentieren ihn in ihrem jeweiligen Teilaspekt. Seinem eigenen Schutzengel nahe zu sein bedeutet demnach Gottes Kraft und Licht nahe zu sein.

Kontakt zu meinem Schutzengel

Wie kann ich nun zu meinem Schutzengel Kontakt aufnehmen?

Der Schutzengel steht mit uns in ständigem Kontakt. Er hilft uns ständig in vielfacher Weise, auch wenn wir es manchmal nicht bemerken oder diese Hilfe anders benennen. Natürlich will der Schutzengel von uns wahrgenommen werden. Nur so kann er wirklich unsere Seele berühren, ein Stück von Gottes Licht in unser Leben bringen und uns in allen Bereichen unseres Daseins Hilfe zuteilwerden lassen. Erzwingen können wir den Kontakt zu unserem Schutzengel allerdings nicht. Da unser Schutzengel stets auf uns zugeht, brauchen wir nur die innere Bereitschaft, ihn auch wahrnehmen zu wollen. Das bedeutet, dass ich an meinem Schutzengel glauben muss. Der noch unerfahrene Mensch kann sich Hilfsmittel wie Bildern, Musik, Literatur, Meditation oder Energiefarben (siehe dazu auch Beitrag unter „Ihr Engel“ im Hauptmenü) bedienen, um sich seinem Schutzengel zu nähern. 

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